Japaner wählen den Freitod

Tatort Bahnhof: Viele, die den Freitod wählen, werfen sich vor den Zug. (flickr/w00kie)
Die Nationale Polizei Agentur (NPA) Japans berichtet von einem rasanten Anstieg der Suizidfälle in Japan. Alleine diesen Monat nahmen sich 2’822 Menschen das Leben. Verglichen mit dem ersten Halbjahr 2008 gab es in den ersten 6 Monaten dieses Jahres 768 zusätzliche Selbstmorde. In über zwei Drittel der Fälle nehmen sich Männer das Leben.
«Die ansteigende Rate spiegelt die Unfähigkeit der Regierung, den Menschen, die Unterstützung brauchen, die notwendige Hilfe zu erbringen», klagt Yasuyuki Shimizu, ein Sprecher der Nonprofit-Organisation Lifelink, die sich um suizidgefährdete Menschen kümmert. Shimizu spricht damit indirekt das Weissbuch der Regierung von 2007 an. Darin versprach sie mit staatlich gestützten Präventionsmassnahmen die Zahl der Freitode in den nächsten zehn Jahren um über zwanzig Prozent senken zu wollen.
Die Versprechungen scheinen zwei Jahre später noch keine Wirkung zu zeigen, denn die jährliche Suizidrate hat in den letzten elf Jahren stets die Marke von 30’000 Fällen überschritten. Dieses Jahr wird gar mit der höchsten Zahl von Fällen seit 2003 gerechnet. Andere Experten sehen in diesem rasanten Anstieg einen direkten Zusammenhang mit Japans schlechten Wirtschaftslage.
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Selbstmorde oder das gar ganze Familien ausgelöscht werden, von Leuten die *versagt* haben, ist in Japan an der Tagesordnung. Mag die schlechte Wirtschaftslage ihren Teil dazu beitragen, aber das grundlegende Problem liegt in der vermeintlichen *Tradition*. Hat man doch in den letzten Jahrhunderten mit einem ritualen Selbstmord sein Versagen und die damit verbundene Schmach getilgt. Heutzutage wirft man sich vor den Zug oder springt von Hochhäusern. Es gäbe schon Hilfe vom Staat, aber viele Leute sind zu stolz oder sehen sich vor ihrer Familie als kompletter Versager und wählen den Freitod oder löschen gleich die ganze Familie aus. Am schlimmsten allerdings ist, dass diese Situation in Japan quasi als *Gottgegeben* angesehen wird und die Politik oder der Sozialstaat nicht wirklich in der Lage ist, das Ausmass der Fälle zu reduzieren.