8. September 2009, 01:09 Uhr

Google Street View fördert Diskriminierung

Google Street View

Passanten in Shibuya in Google Street View

Google Japan hat neue Massnahmen zur Sicherung der Privatsphäre für den Dienst Street View angekündigt, bei dem 360-Grad-Aufnahmen von Strassen virtuell erkundet werden können. Neu wird Google bekannt geben, in welchen Gegenden gerade Aufnahmen gemacht werden und bei missbräuchlicher Nutzung können Betroffene die Löschung der Inhalte verlangen.

In Japan hat Google im Sommer 2008 damit begonnen, Fahrten durch die Strassen 12 grösserer Städte, darunter Tokio und Osaka, für Street View aufzuzeichnen. Allerdings hat man anfangs darauf verzichtet, auf den Bildern die Gesichter von Personen, Nummernschilder und Namenstafeln an den Hauseingängen zu verpixeln.

Jetzt krebst Google auf Druck des Innenministeriums zurück. Nicht nur werden die bestehenden Aufnahmen nachbearbeitet, seit Mai werden neue Aufnahmen mit einer 40 Zentimeter tiefer montierten Kamera gemacht, welche die bereits gemachten Aufnahmen ersetzen werden.

Diskriminierende Zweitnutzung

Ein weiteres, spezifisch japanisches, Problem ist die diskriminierende Zweitnutzung der Daten. Google stellt die Street-View-Aufnahmen auch anderen Anbietern zur Verfügung. Diese Nutzen diese zum Beispiel für den Tourismus oder im Immobiliengeschäft.

Doch in letzter Zeit sind viele Seiten aufgetaucht, auf denen die Street-View-Daten dazu verwendet wurden, einen Überblick über die Buraku-Viertel zu geben. Die Burakumin gehörten in der Edo-Zeit (1603-1868) wegen ihrer «unreinen» Tätigkeiten beispielsweise als Metzger, Gerber oder Totengräber zu einer diskrimierten Klasse und lebten in gesonderten Vierteln. Noch heute leiden die Nachfahren der Burakumin und die Bewohner dieser Viertel unter einem gesellschaftlichen Stigma.

Um Abhilfe zu schaffen, wird Google deshalb eine Abteilung schaffen, der missbräuchliche Nutzungen der Street-View-Daten gemeldet werden können. Anschliessend prüft Google den Antrag. Wenn tatsächlich ein Gesetzesverstoss oder eine Schikane vorliegt, wird Google die Löschung der Daten verlangen. Wenn der Betreiber der Webseite darauf nicht reagiert, wird die Seite aus dem Suchindex von Google entfernt. Unter den 9 Ländern in denen Google Street View derzeit angeboten wird, ist Japan das einzige, das eine solche Einschränkung der Zweitnutzung kennt.

Kritiker bleiben skeptisch

Kritiker zweifeln jedoch an den angekündigten Massnahmen. Sie bemängeln, dass die Betroffenen selbst Google erst auf Verletzungen ihres Persönlichkeitsrechts aufmerksam machen müssen. Zudem sei keine unparteiische Objektivität gegeben, wenn Google selbst darüber entscheidet, was eine missbräuchliche Nutzung ist und was nicht.  Ausserdem könne die Sanktion einer Entfernung aus dem Suchindex nicht verhindern, dass weitere Seiten mit identischem Inhalt eingerichtet werden, um die Massnahme zu umgehen.

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