Japanische Filme stehlen Hollywood die Show

Ponyo aus dem gleichnamigen neuen Film der Studio Ghibli. (flickr/Loren Javier)
Toho, Japans grösstes Filmunternehmen leidet unter schwindendem Interesse an Hollywood-Filmen, welches trotz einem Boom bei den japanischen Filmen die Wachstumsaussichten trübt. Toho ist gleichzeitig Japans grösster Filmverleih und mit 560 Sälen in 70 Kinos der grösste Kinobetreiber des Landes.
«Die Popularität der japanischen Filme ist gut für uns als Filmverleih, aber im Kinobetrieb können wir den Rückgang bei den Hollywood-Filmen nicht einfach mit einem Lächeln quittieren», sagte Hideyuki Takai der Präsident von Toho gegenüber Reuters.
Kassenschlager «Ponyo»
Toho erzielte eine Gewinnsteigerung von 16,5 Prozent im letzten Jahr, vor allem dank erfolgreichen heimischen Produktionen dem Animationsfilm «Ponyo», der zum Kassenschlager wurde. Der Erfolg der japanischen Filme erklärt sich teilweise aus der Tatsache, dass das japanische Publikum an der Kinokasse auf Bekanntes setzt.
Bei den Anime aus dem Hause Ghibli oder einer bekannten Serie, weiss der Zuschauer was er für sein Geld bekommt. Dasselbe gilt für Filme, in welchen aus dem Fernsehen bekannte Schauspieler mitspielen und die entsprechend promotet werden.
Produktionsgemeinschaften machen Crosspromotion
Japanische Filme werden oft von Produktionsgemeinschaften finanziert, welche beim Inhalt wenig Risiken eingehen und den Film über die beteiligten Parteien wie z.B. Fernsehsender, Filmverleih, Werbefirma, Videofirma massiv bewerben.
Wenn Hollywood-Filme einige Monate nach dem Kinostart in den USA auch in Japan anlaufen, sind die Stars oft schon mit neuen Projekten beschäftigt und können nicht nach Japan reisen, um dort für den Film zu werben. Zudem muss für einen richtigen Hit auch das junge und jüngste Publikum ins Kino gehen, und dieses hat oft keine Lust darauf, einen ausländischen Film mit Untertiteln zu schauen.
Schwächelnde Hollywood-Filme reissen Loch in Kasse
Im Juli hat Toho die Gewinnerwartung wegen den gut laufenden japanischen Filmen für dieses Jahr um 10 Prozent angehoben, insgesamt liegt die Erwartung jedoch immer noch 20 Prozent unter dem Vorjahr. Nicht nur fehlt dieses Jahr ein Blockbuster vom Kaliber eines «Ponyo», die sinkende Nachfrage nach Hollywood-Filmen reisst ein tiefes Loch in Tohos Kasse.
Letztes Jahr gingen die Einnahmen aus ausländischen Produktionen um fast ein Viertel zurück. «Es kam unerwartet. Ich habe in meiner gesamten Karriere in der Filmbranche noch nie so etwas erlebt. Bis anhin waren jeweils die Hollywood-Filme der Motor in der Branche», sagte Takai.
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Vielleicht kann man einen Grund an Hollywoods Misere in Japan beim leeren Portemonnai der jungen “working poor” finden.