Fallende Preise, wachsende Deflationsängste
Im August sind die Preise in Japan mit Rekordgeschwindigkeit gefallen. Deshalb wächst derzeit die Angst vor einer Deflation, welche die zaghafte wirtschaftliche Erholung untergraben könnte.
Der Verbraucherpreisindex, bei welchem die stark schwankenden Preise für Frischnahrungsmittel nicht berücksichtigt werden, sank im Vergleich zum Vorjahr um 2,4 Prozent, wie die japanische Regierung am Dienstag bekannt gab. Dies ist der stärkste Rückgang seit Beginn der Erhebung 1971. Im Juli hatte der Rückgang erstmals die 2-Prozent-Marke überschritten (Newsbento berichtete).
Damit ist der Konsumentenpreisindex zum sechsten Mal in Folge gesunken. Die japanische Wirtschaft hat möglicherweise also eine weitere lange Deflationsphase vor sich.
Gemäss dem Büro für Statistik fielen in Tokio die Preise im September um weitere 2,1 Prozent. Der Preiszerfall dürfte demnach im ganzen Land weiter gehen, denn die Preise in der Hauptstadt gelten als Trendindikator für den Rest des Landes.
Preiszerfall bedroht wirtschaftliche Erholung
In den neunziger Jahren und am Anfang dieses Jahrzehnts hat Japan bereits mit einer destabilisierenden Deflationsphase zu kämpfen gehabt. Im zweiten Quartal 2009 konnte Japan zwar eine Rezession überwinden, die ein Jahr angehalten hatte, doch die Wirtschaft ist noch immer schwach auf den Beinen.
Laut der japanischen Zentralbank deuten mittlerweile einige Indikatoren auf eine Erholung hin, Verbraucher und Unternehmen sind beim Geldausgeben jedoch nach wie vor zurückhaltend. Ökonomen erwarten, dass die Arbeitslosenquote die Rekordmarke von 5,7 Prozent im Juli noch einmal übersteigt.
Laut Tetsufumi Yamakawa, Chefökonom für Goldman Sachs in Japan, ist kein Ende des «Teufelskreises von Preiszerfall zu Lohnzerfall» in Sicht, schreibt die Japan Times. Ein Grossteil des Preisrückgangs der letzten Monate ist auf den tieferen Ölpreis zurückzuführen, der sich im Vergleich zum Vorjahr mehr als halbierte. Die neuesten Zahlen zeigen jedoch auch in anderen Kategorien wie Kleidung, Haushaltswaren oder Freizeitaktivitäten ein sinkendes Preisniveau.
Löhne sinken ebenfalls weiter
Die Löhne in Unternehmen mit 5 oder mehr Angestellten sinken in Japan ebenfalls. Im August betrug der Rückgang im Vergleich zum Vorjahr 3,1 Prozent. Es war der 15. Monat in Folge, in dem ein Rückgang des Durchschnitsslohnes verzeichnet wurde, gab das Arbeitsministerium am Mittwoch bekannt.
Gegenüber dem Vormonat mit 5,6 Prozent Rückgang verlangsamte sich der Abwärtstrend infolge der wieder in Schwung kommenden Produktion, doch das Arbeitsministerium geht nicht von einer baldigen Erholung des durchschnittlichen Lohnniveaus aus.
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