«The Cove» spaltet Japan
«The Cove – Die Bucht» hat den Oscar für den besten Dokumentarfilm gewonnen. Der Film von Regisseur Louie Psihoyos zeigt mit versteckten Kameras die unrühmliche Jagd auf Delfine in der japanischen Bucht der Kleinstadt Taiji in der Präfektur Wakayama (Newsbento berichtete).
«Für mich bietet die Oscar-Verleihung einen wichtigen Beitrag, um dieses Problem zu lösen», erklärte Psihoyos den Medien: «Der grösste Preis wird für mich sein, wenn Delfine nicht mehr fürs Essen geschlachtet und zur Unterhaltung gefangen werden.»
«The Cove – Die Bucht» hat weltweit grosse Medienaufmerksamkeit erhalten und viel Empörung ausgelöst. Die lokale Fischereiindustrie von Taiji verteidigte ihre Praxis als traditionellen Brauch. Zudem kritisiert sie, dass man im Dokumentarfilm zu Unrecht als «japanische Mafia» bezeichnet werde.
Empörung in Taiji
«Die Delfinjagd ist keine illegale Aktivität. Es ist notwendig, dass man aufgrund von regionalen Traditionen die verschiedenen Esskulturen respektiert», erklärt der Bürgermeister von Taiji, Kazutaka Sangen. Er könne zudem nicht verstehen, weshalb ein Film, der inhaltlich unpräzise sei und Tatsachen verkenne, einen Oscar erhalten habe, sagt Sangen gegenüber der Asahi Shimbun.
Auch der Gouverneur der Präfektur Wakayama Yoshinobu Nisaka, der für die Bewilligung der Delfinjagd in Taiji zuständig ist, verteidigt Bürgermeister Sangen: «Aufgrund von falschen Informationen und einseitigen Wertvorstellungen ein Gewerbe zu kritisieren, das seit langer Zeit in Taiji den Lebensunterhalt garantiert, entspricht nicht den guten Gepflogenheiten.»
«Nur die grausame Realität bleibt haften»
Professor Tokiya Nitta von der Tokai Universität hat eine Erklärung für die unterschiedlichen Ansichten zwischen Japan und dem Westen: «Aus historischen Gründen empfinden man gegenüber dem Fischfang, der Japan nach dem Krieg vor einer Nahrungsmittelknappheit rettete, Dankbarkeit und Ehrfurcht. Im Ausland jedoch bleibt lediglich dessen brutale Realität in den Köpfen haften.»
Nitta glaubt nicht, dass der Oscar für «The Cove – Die Bucht» die Meinung der Japaner ändern wird – im Gegenteil: «Indem Hollywood den Anti-Delfinfang-Aktivisten den Ritterschlag erteilt, wird in Japan der Widerstand gegen diese Bewegung nur noch stärker.»
«Diese Zeiten sind schon lange vorbei»
Der 61-jährige Izumi Ishii, der 30 Jahre lang auf Delfinjagd ging, nun aber ein beherzter Gegner ist, sieht das ganz anders: «Gibt es denn heute noch eine Nachfrage, die das Töten von Delfinen als Teil des Lebensunterhaltes rechtfertigt? Diese Zeiten sind schon lange vorbei. Der Gewinn des Oscars verbreitet nun die Botschaft, dass die Delfinjagd endlich beendet werden soll.»
Die japanische Naturschutzorganisation Elsa zeigt sich ebenfalls erfreut über den Oscar: «Das grösste Problem ist, dass viele Japaner über die Delfinjagd nicht informiert werden. In Japan gibt es grosse Widerstände gegen die Kinovorführung von ‹The Cove›. Mit dem Oscar-Gewinn sind wir jedoch einer Kinovorführung einen grossen Schritt näher gekommen. Das freut uns.»
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