Online-Games erobern China
In Chinas urbanen Internetcafés herrscht geschäftige Stille. Mit Kopfhörern an schauen die Besucher gebannt auf ihre Bildschirme. Nicht wenige von ihnen verbringen ihre Stunden damit Online-Games zu spielen. Von Rollen- bis zu Tanzspielen, welche Online-Spieler jeweils gegeneinander austragen, gibt es alles im Angebot.
Die elektronische Spielindustrie ist einer der am schnellsten wachsenden Märkte in China. Laut der chinesischen Regierung erwirtschaftete die Onlinespiele-Branche 2009 rund 26 Milliarden Yuan (2,8 Mia. Euro). Im Vergleich zum Vorjahr bedeutet dies eine Steigerung um 39,5 Prozent. Bei 380 Millionen Internetnutzern ist das Wachstumspotential vielversprechend. Das Marktforschungsunternehmen iResearch rechnet mit einem durchschnittlichen Wachstum von 20 Prozent. Bis 2012 werde sich das Marktvolumen verdreifachen.
Kein Wunder wollen die ausländischen Onlinespiele-Hersteller einen Stück dieses Kuchens für sich abschneiden. Doch dies ist ein kein leichtes Unterfangen. Denn heute stammt der Grossteil aller Games auf dem chinesischen Markt von inländischen Unternehmen. Drei davon sind sogar im New Yorker Börsenindex Nasdaq kottiert: Tencen, Shanda und NetEase. Zusammen kontrollieren sie rund 60 Prozent des Marktes.
Schwieriger Stand für ausländische Spiele
«Bis anhin hat von allen westlichen Spielen nur ‹World of Warcraft› wirklichen Erfolg. Die ausländischen Spiele-Entwickler tun sich schwer mit der Konkurrenz in China», sagt Daniel H. Vlad vom Forschungsinstitut JLM Pacific Epoch in New York gegenüber der China Post. Die westlichen Spiele würden zu wenig interessante Inhalte für die Chinesen anbieten.
Für Lisa Cosmas Hanson, Expertin für den chinesischen Game-Markt, habe die westliche Erfolglosigkeit nicht nur mit kulturellen Differenzen zu tun, sondern auch mit den undurchsichtigen Regulierungen der Pekinger Regierung, welche schlichtweg zu grosse Hürden in den Weg stellen und somit der inländischen Industrie einen Marktvorteil verschaffen.
Neue gesellschaftliche Probleme
Die Regierung selbst zeigt sich nicht nur erfreut über diese Entwicklung. Eine Untersuchung hat gezeigt, dass rund 24 Millionen junger Chinesen, also rund die Hälfte der Spieler, Internetsüchtig sind.
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